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Keyless-Go schützen: So verhindern Sie Autodiebstahl

Wie können Sie verhindern, dass Ihr Auto mit einem Keyless-Go-System gestohlen wird? Im Internet kursieren zahlreiche Tipps – von der Aufbewahrung des Autoschlüssels in einer Keksdose bis zur Nutzung zusätzlicher Sicherheitssysteme. Doch welche Maßnahmen bieten tatsächlich einen wirksamen Diebstahlschutz von Keyless-Go-Systemen?

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Keyless Go Autodiebstahl

Keyless-Go-Systeme sind komfortabel – aber auch ein beliebtes Ziel für Autodiebe. Das Thema ist aktuell besonders relevant, weil die Diebstahlzahlen nach dem Rückgang in der Corona-Zeit wieder anziehen. Laut GDV wurden 2024 insgesamt 14.162 kaskoversicherte Pkw gestohlen; der wirtschaftliche Schaden lag bei über 290 Millionen Euro.


Zwei niederländische Experten geben praxisnahe Ratschläge: Henk van Vliet, Zertifizierungsmanager bei der Kfz-Sicherheitsstelle Kiwa, und André Bouwman, Projektleiter bei der Stiftung zur Bekämpfung von Kfz-Kriminalität (Stichting Aanpak Voertuigcriminaliteit).

Autodiebstahl 2013 - 2023

Unterschied zwischen „Keyless“ und „Keyless-Go“

Im Alltag werden die Begriffe oft vermischt – technisch lohnt sich die Abgrenzung:

  • Keyless Entry (oft kurz „Keyless“) = schlüsselloses Öffnen/Schließen. Das Fahrzeug entriegelt, sobald der Schlüssel in der Nähe ist und z. B. der Türgriff berührt wird.
  • Keyless-Go = schlüsselloses Starten (zusätzlich zum Zugang). Der Motor startet per Knopfdruck, wenn sich der Schlüssel im Fahrzeug befindet.

Viele Fahrzeuge kombinieren beides – deshalb tauchen beide Begriffe häufig zusammen auf.

Warum Keyless-Go-Fahrzeuge besonders gefährdet sind

Kurz erklärt: So funktioniert die Technik

Keyless-Systeme arbeiten über Funk: Das Auto „fragt“ in der Nähe nach dem Schlüssel, der Schlüssel „antwortet“ – und wenn alles passt, wird geöffnet und das Starten erlaubt. Genau diese Funkkommunikation ist die Achillesferse und macht Keyless-Go-Fahrzeuge anfällig für Relay-Attacken.

Was passiert bei einer Relay-Attacke?

Im Normalbetrieb funktioniert Keyless im Nahbereich) – doch bei der Funkverlängerung („Relay-Attacke“) wird die Reichweite der Signale künstlich erweitert. Täter können so die Signale verstärken, ohne das Fahrzeug „hacken“ zu müssen. Typisch ist Teamarbeit mit zwei Geräten: * Gerät 1 positioniert sich in der Nähe des Schlüssels (z. B. an der Wohnungstür) * Gerät 2 steht am Fahrzeug. * Das Signal wird weitergeleitet und verstärkt – das Auto glaubt dadurch, der Schlüssel befindet sich direkt in der Nähe.

Wichtig: Läuft der Motor einmal, kann das Fahrzeug je nach System oft weiterfahren, auch wenn der Schlüssel nicht mehr „mitreist“.

Warum geht das oft extrem schnell?

Weil keine klassische Aufbruchspur nötig ist: Bei Relay-Attacken werden Türen geöffnet und das Fahrzeug gestartet, ohne Scheibe einzuschlagen oder Schloss zu knacken. Entsprechend berichten Versicherer und Automobilclubs von sehr kurzen Tatzeiten – es ist oft von rund 30 bis 60 Sekunden die Rede.

So schützen Sie Ihr Auto mit Keyless-Go-System: 5 effektive Tipps

1. Sprechen Sie mit Ihrem Autohändler

„Die meisten Autohersteller arbeiten mit Hochdruck daran, ihre Fahrzeuge so sicher wie möglich zu machen. Bei einigen gibt es bereits neue Keyless-Go-Systeme, die deutlich besser gegen Funkverlängerungsangriffe geschützt sind. Manchmal ist es auch möglich, das schlüssellose Zugangssystem komplett auszuschalten. Erkundigen Sie sich am besten direkt bei Ihrem Autohändler“, rät van Vliet.

Ergänzung aus der Praxis: Hersteller können die Sicherheit ihrer Keyless-Modelle durch den Einsatz moderner Funktechnologie erhöhen. Dabei kommt die Ultra-Wideband-Technik (UWB) zum Einsatz, die mithilfe von Computerchips die genaue Entfernung des Schlüssels zum Fahrzeug durch die Messung der Laufzeit der Funksignale bestimmt.

2. Investieren Sie in ein zusätzliches Sicherheitssystem

Van Vliet: „Wenn der Autohändler keine Lösung hat, empfehlen wir als Zertifizierungsstelle die Anschaffung eines weiteren Sicherheitssystems, das „nicht auf Ihr Auto hört“. Das bedeutet: ein System mit einer eigenen Autorisierung, zum Beispiel ein elektronischer Autoschlüssel oder eine Fernbedienung mit Tasten.“

Wichtig bei Nachrüstlösungen: Manche elektronische Nachrüst-Schutzschaltungen müssen ebenfalls über ein zusätzliches Keyless-System bedient werden – was es damit unter Umständen ebenfalls angreifbar macht. Daher sollten Lösungen sorgfältig geprüft und idealerweise fachgerecht eingebaut werden.

3. Bewahren Sie den Autoschlüssel möglichst weit weg von der Haustüre auf

Liegt ein Autoschlüssel mit Keyless-Go-System in der Nähe der Haustüre oder einer Außenwand, kann das Signal leichter abgefangen werden.

Van Vliet rät: „Legen Sie Ihren Autoschlüssel mindestens 6 Meter von der Tür entfernt hin, und lassen Sie auch den Ersatzschlüssel nicht einfach herumliegen.“

4. Parken Sie das Auto an einem sicheren Ort

Bouwman warnt: „Der Schaden ist erheblich, wenn Ihr Auto aufgebrochen wird oder Autoteile gestohlen werden. Aber noch viel größer ist er, wenn das ganze Auto verschwindet.

Gerade bei Fahrzeugen mit Keyless Go Systemen, die ohnehin ein erhöhtes Risiko für Autodiebstahl aufweisen, spielt der Parkort daher eine entscheidende Rolle. Empfohlen wird insbesondere, den Wagen dort abzustellen, wo er sichtbar und schwer zugänglich für Täter ist. Eine abgeschlossene Garage gilt dabei als der sicherste Ort, um ein Fahrzeug vor Dieben zu schützen

Wenn keine Garage zur Verfügung steht, sind gut beleuchtete, belebte und gut einsehbare Parkplätze der beste Kompromiss. Straßen- oder Garagenbereiche, die von Passanten wahrgenommen werden können, schrecken Kriminelle deutlich ab, weil sie ein höheres Entdeckungsrisiko haben. Auch einfache Maßnahmen wie eine ausreichende Außenbeleuchtung oder Bewegungsmelder beim eigenen Stellplatz tragen dazu bei, potenzielle Angriffe zu verhindern.

5. Legen Sie den Schlüssel in einen Faradayschen Käfig (Abschirmung)

Ein Faradayscher Käfig ist ein Behälter, der das Funksignal des Schlüssels blockiert. „Er verhindert, dass das Funksignal des Schlüssels nach außen dringt. Kriminelle können es nicht auffangen und verstärken. Eine Keksdose oder etwas anderes aus Metall kann als ein solcher Käfig dienen. Heutzutage gibt es auch Schlüsseletuis zu kaufen, deren Innenseite mit Metallfolie beschichtet ist“, sagt Bouwman.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten Damit der Faradaysche Käfig effektiv funktioniert, sollten Sie auf folgende Kriterien achten:

  • Innenmaterial: Es sollte Metallgewebe oder Metallbeschichtung enthalten sein, um das Funksignal zu blockieren.
  • Verarbeitung: Das Etui oder die Box muss gut verschließbar sein, ohne Lücken oder Undichtigkeiten, durch die das Signal hindurchtreten könnte.
  • Qualität: Günstige Produkte neigen dazu, schneller zu verschleißen. Achten Sie auf robuste Nähte und stabile Verschlüsse, um die Haltbarkeit sicherzustellen.

Wie testen Sie den Schutz? Testen Sie den Schutz regelmäßig, um sicherzustellen, dass er funktioniert: * Legen Sie den Schlüssel in die Box oder das Etui und verschließen Sie es korrekt. * Gehen Sie zur Fahrertür und versuchen Sie, das Auto zu öffnen oder zu verriegeln.

Wenn sich das Auto öffnen lässt, ist die Abschirmung unzureichend und muss verbessert werden.

Der „Kühlschrank-Trick“ – sinnvoll oder nicht? Es gibt einen populären, jedoch wenig empfohlenen Trick, den Autoschlüssel im Kühlschrank zu lagern. Denn dieser Ansatz hat mehrere Nachteile:

  • Unzuverlässigkeit: Kühlschranktüren aus Glas oder unzureichende Dichtungen können Funkstrahlen durchlassen.
  • Keine Testmöglichkeit: Der Kühlschrank müsste in der Nähe des Fahrzeugs stehen, um ausprobieren zu können, ob das Signal wirklich blockiert wird.
  • Batterieprobleme: Kälte kann die Batterien im Schlüssel entladen und die Leistung beeinträchtigen.
  • Feuchtigkeit: Feuchtigkeit im Kühlschrank könnte die Elektronik des Schlüssels beschädigen.

Ergänzende Tipps

Mechanische Sicherungen: Sichtbare Abschreckung für Diebe

Mechanische Sicherungen sind eine hervorragende Möglichkeit, den Diebstahl eines Fahrzeugs zu erschweren. Sie erhöhen den Aufwand für Diebe erheblich und wirken besonders dann abschreckend, wenn sie sichtbar sind und Zeit kosten, um überwunden zu werden. Hier sind einige der wichtigsten mechanischen Sicherungen, die in Betracht gezogen werden können:

  • Lenkradkralle / Lenkradsperre Eine Lenkradkralle blockiert die Lenkung des Fahrzeugs und macht es nahezu unmöglich, das Auto zu steuern, selbst wenn es gestartet wurde.
  • Parkkralle Eine Parkkralle blockiert das Rad des Fahrzeugs und ist besonders sinnvoll, wenn das Auto für längere Zeit, wie beispielsweise während einer Reise oder im Urlaub, geparkt wird. Diese Maßnahme verhindert, dass das Fahrzeug überhaupt bewegt werden kann.
  • Zusätzliche Wegfahrsperren / Schaltsperren Mechanische Wegfahrsperren oder Schaltsperren blockieren entweder das Starten des Fahrzeugs oder das Wechseln des Gangs, um die Fortbewegung zu verhindern. Diese Sicherungen können entweder mechanisch oder kombiniert mit elektronischen Systemen installiert werden.

OBD2-Anschluss schützen: Oft unterschätzt, aber wichtig

Die OBD2-Schnittstelle (On-Board-Diagnose) ist ein wichtiger Bestandteil der Fahrzeugelektronik. Sie ermöglicht es, Fahrzeugdaten auszulesen und Fehlerdiagnosen durchzuführen. Allerdings können Täter diese Schnittstelle auch für Manipulationen nutzen. Um sich vor solchen Angriffen zu schützen, kann die OBD2-Buchse mit einem OBD-Saver gesichert werden - einer abschließbaren Abdeckung oder Blockierung, die den Zugang zur Buchse verhindert. Die Preise für solche Lösungen variieren, wobei für einen guten Schutz mit etwa 200 € zu rechnen ist.

Liegt ein Autoschlüssel mit Keyless-Go-System in der Nähe der Haustüre oder einer Außenwand, kann das Signal leichter abgefangen werden.

Van Vliet rät: „Legen Sie Ihren Autoschlüssel mindestens 6 Meter von der Tür entfernt hin, und lassen Sie auch den Ersatzschlüssel nicht einfach herumliegen.“

Keyless-Funktion deaktivieren – geht das?

Bei einigen Fahrzeugen lässt sich das Keyless-System direkt über das Fahrzeugmenü oder über eine bestimmte Bedienlogik (z. B. eine Tastenkombination am Schlüssel) deaktivieren. Bei anderen Modellen ist dies nur über den Fachhandel oder den Hersteller möglich. Ob diese Option verfügbar ist, hängt vom Fahrzeugtyp ab und ist in der Regel in der Betriebsanleitung beschrieben.

Das Deaktivieren der Keyless-Funktion kann besonders sinnvoll sein in folgenden Situationen:

  • Urlaubsparken / lange Standzeiten Etwa bei Parkplätzen an Flughäfen oder Bahnhöfen, wo Fahrzeuge über Tage oder Wochen unbeaufsichtigt stehen.
  • Innenstädte und bekannte Diebstahl-Hotspots Regionen mit erhöhter Fahrzeugdichte und häufiger Diebstahlaktivität bieten Tätern mehr Gelegenheiten.
  • Fahrzeuge mit erhöhter Anfälligkeit Wenn ein Modell in Tests oder Erfahrungsberichten als besonders anfällig für Funkverlängerungsangriffe gilt, kann das Abschalten des Systems das Risiko deutlich reduzieren.

Was tun im Diebstahlfall? Die wichtigsten Schritte

1. Polizei informieren

  • Den Diebstahl sofort bei der Polizei anzeigen
  • Die Anzeige ist Voraussetzung, damit eine Fahndung eingeleitet werden kann
  • Das Aktenzeichen der Anzeige notieren

2. Versicherung benachrichtigen

  • Den Diebstahl zeitnah der Kfz-Versicherung melden
  • Dabei das polizeiliche Aktenzeichen bereithalten
  • Weitere Schritte erfolgen in der Regel über den Versicherer

3. Wichtige Unterlagen zusammenstellen

Folgende Dokumente werden häufig vom Versicherer angefordert:

  • Polizeiliche Diebstahlanzeige bzw. bei Diebstahl im Ausland eine Übersetzung der Anzeige
  • Fahrzeugpapiere (Zulassungsbescheinigung Teil I und II)
  • Alle Fahrzeugschlüssel (inkl. Ersatz- und Zweitschlüssel)
  • Abmeldebescheinigung der Zulassungsstelle
  • Ausgefüllte Schadenanzeige

4. Wertnachweise und Dokumentation vorbereiten

  • Rechnungen oder Belege zum Fahrzeug
  • Nachweise über Sonder- oder Zusatzausstattung
  • Dokumentation über nachträglich eingebaute Teile oder Zubehör

5. Wiederauffindung des Fahrzeugs

  • Falls das Fahrzeug nicht innerhalb eines Monats wieder auftaucht, geht es in der Regel in das Eigentum des Versicherers über (nach Entschädigung).
  • Wird das Fahrzeug wiedergefunden, umgehend Polizei und Versicherung informieren
  • Je nach Zeitpunkt und Zustand des Fahrzeugs kann eine Rückgabe an den Versicherungsnehmer vorgesehen sein
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