Ungarn: Was Sie über Maut und Vignette wissen sollten
Prachtvolle Jugendstilbauten in Budapest, der Balaton mit seinen Badeorten, die Weinregion Tokaj und die weite Puszta: Ungarn bietet überraschend vielseitige Reiseziele, die sich bequem mit dem Auto erkunden lassen. Ob Ungarn Ihre Endbestimmung ist oder nur auf der Route Ihrer Urlaubsreise mit dem Auto liegt: Informieren Sie sich am besten vor der Abfahrt über die Mautregeln in Ungarn und in Ländern wie Österreich, die Sie vermutlich auf Ihrer Urlaubsreise durchqueren. Wir erklären Ihnen, für welche Straßen Sie eine Vignette brauchen, welche Fahrzeugkategorie gilt und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Ja. Für die meisten ungarischen Autobahnen und Schnellstraßen benötigen Motorräder, Pkw und andere Fahrzeuge – im Gegensatz zu deutschen Autobahnen – eine gültige E-Vignette. Das gilt auch für viele Wohnmobile und Transporter. Welche Vignette Sie kaufen müssen, hängt unter anderem von der Fahrzeugart, dem zulässigen Gesamtgewicht und der Zahl der eingetragenen Sitzplätze ab. Sie planen einen Roadtrip mit einem großen und schweren Wohnmobil? Dann aufgepasst! Für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen gilt das streckenabhängige elektronische Mautsystem HU-GO.
Die ungarische Vignette ist digital
In Ungarn gibt es keine Klebevignette für die Windschutzscheibe wie in Österreich oder der Schweiz. Das Land am der Donau setzt wie InShared auf digitale Lösungen und beschreitet somit den gleichen Weg wie Tschechien. Auch dort gibt es nur noch eine digitale Vignettenvariante. Die ungarische Vignette, die sogenannte E-Matrica, wird elektronisch mit dem Kennzeichen und dem Zulassungsland Ihres Fahrzeugs verknüpft. Nach dem Kauf müssen Sie daher weder etwas ausdrucken noch sichtbar im Fahrzeug anbringen. Auch das lästige Abkratzen des Aufklebers beim nächsten Autoputz bleibt Ihnen erspart! Die Online-Vignette ist zwar praktisch, doch beim Kauf sollten Sie gut aufpassen: Ein falsch eingegebenes Kennzeichen oder eine nicht korrekte Fahrzeugkategorie kann dazu führen, dass die Fahrt als unberechtigte Straßennutzung gilt. Prüfen Sie deshalb vor dem Bezahlen alle Angaben genau und bewahren Sie die Kaufbestätigung auf.
1-Tages-Vignette: Beachten Sie bitte, dass sie nur am gewählten Kalendertag und nicht für 24 Stunden ab dem Kauf gültig ist.
Wochen-Vignette (für 10 Tage): Diese Variante können Sie am Anfangstag sowie an den 9 darauffolgenden Tagen nutzen.
Monatsvignette: Sie ist vom Anfangstag bis zum gleichen Kalendertag des Folgemonats gültig.
Jahresvignette: Auch hier heißt es: gut aufpassen! Die Jahresvignette gilt nicht 12 Monate ab dem Kaufdatum, sondern vom 1. Januar des jeweiligen Kalenderjahres bis einschließlich 31. Januar des Folgejahres. Kaufen Sie sie erst im Laufe des Jahres, verkürzt sich die Nutzungsdauer entsprechend. Bei einem Kauf zum Jahresbeginn gilt sie maximal 13 Monate.
Vignetten für die einzelnen Fahrzeugkategorien
Die richtige Fahrzeugklasse lässt sich nicht allein am äußeren Erscheinungsbild Ihres Autos erkennen. Entscheidend sind die Angaben in den Fahrzeugpapieren. Kontrollieren Sie insbesondere die Fahrzeugart, das zulässige Gesamtgewicht und die Zahl der eingetragenen Sitzplätze einschließlich Fahrersitz und vergleichen Sie diese mit den Kriterien auf der offiziellen Website der ungarischen Vignette.
Vignette für Ungarn der Fahrzeugklasse D1
Die Kategorie D1 gilt grundsätzlich für Pkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von höchstens 3,5 Tonnen und maximal 7 eingetragenen Sitzplätzen. Ein Anhänger oder Wohnwagen hinter einem D1-Pkw benötigt keine eigene Vignette. Er ist durch die Vignette des Zugfahrzeugs abgedeckt.
Ungarische Vignette der Fahrzeugklasse D2
Zur Kategorie D2 gehören Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen, die nicht in Kategorie D1 fallen. Dazu zählen in der Regel:
Pkw und Kleinbusse mit mehr als 7 eingetragenen Sitzplätzen
Transporter und leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen
Wohnmobile bis 3,5 Tonnen
Vignette für Motorräder und Anhänger wie Wohnwagen
Für Motorräder gibt es die günstigere Fahrzeugklasse D1M. Sie gilt für die 1-Tages-, 10-Tages- und die Monatsvignette. Bei den Jahresvignetten gelten dagegen die Tarife der Kategorie D1.
Wichtig für Anhänger und Wohnwagen: Befinden sich diese hinter einem D1-Pkw, ist keine zusätzliche Vignette erforderlich. Wird der Anhänger oder Wohnwagen von einem Fahrzeug der Kategorie D2 gezogen, benötigen Sie zusätzlich eine Vignette der Kategorie U.
Vignettenpreise: Mit diesen Kosten sollten Sie rechnen
Die offiziellen Preise (Ft steht für die ungarische Währung Forint) für die ungarische E-Vignette betrugen im Jahr 2026:
Fahrzeugkategorie
1 Tag
10 Tage
1 Monat
1 Jahr
D1 – Pkw bis 7 Sitzplätze
5.550 Ft (ca. 15 €)
6.900 Ft (ca. 19 €)
11.170 Ft (ca. 31 €)
61.760 Ft (ca. 169 €)
D2 – z. B. Van oder Wohnmobil bis 3,5 t
7.890 Ft (ca. 22 €)
10.040 Ft (ca. 28 €)
15.820 Ft (ca. 43 €)
87.650 Ft (ca. 240 €)
D1M – Motorrad
2.770 Ft (ca. 8 €)
3.450 Ft (ca. 9 €)
5.590 Ft (ca. 15 €)
61.760 Ft (ca. 169 €)
U – Anhänger von Fahrzeugen der Kategorie D2
5.550 Ft (ca. 15 €)
6.900 Ft (ca. 19 €)
11.170 Ft (ca. 31 €)
61.760 Ft (ca. 169 €)
Die Euro-Preise sind gerundet und dienen nur zur Orientierung. Der tatsächliche Betrag hängt vom aktuellen Wechselkurs und gegebenenfalls von den Gebühren Ihrer Bank oder Verkaufsstelle ab.
Verkaufsstellen: Wo ist die ungarische Vignette erhältlich?
Am einfachsten kaufen Sie die E-Vignette vor Reiseantritt online. Nutzen Sie dafür das offizielle Portal der ungarischen Straßenverwaltung Magyar Közút oder einen autorisierten Vertriebspartner. Die Website des ungarischen Mautbetreibers ist auch auf Deutsch verfügbar. Darüber hinaus erhalten Sie die E-Vignette an zahlreichen Tankstellen, Raststätten und Verkaufsstellen in Ungarn sowie teilweise schon in den Nachbarländern. Beim Kauf vor Ort bekommen Sie einen Kontrollabschnitt oder eine Bestätigung. Lesen Sie Kennzeichen, Zulassungsland, Fahrzeugklasse und Gültigkeitszeitraum noch an der Kasse sorgfältig durch.
Welche Zahlungsmöglichkeiten für die E-Vignette gibt es?
Beim Online-Kauf können Sie in der Regel mit einer gängigen Debit- oder Kreditkarte wie Mastercard, Maestro und Visa bezahlen. An Tankstellen und anderen Verkaufsstellen ist die Zahlung meist bar in Forint oder mit Karte möglich. Achten Sie bei Drittanbietern auf zusätzliche Bearbeitungs- oder Wechselkursgebühren. Die Kaufbestätigung sollten Sie nach Empfehlung des Betreibers noch 3 Jahre nach Ablauf der Vignette aufbewahren. So können Sie den ordnungsgemäßen Kauf bei Rückfragen leichter nachweisen.
Ist die ungarische E-Vignette sofort gültig?
Wenn Sie beim Kauf den aktuellen Tag als Startdatum wählen, ist die E-Vignette nach erfolgreicher Zahlung und Bestätigung gültig. Sind Sie versehentlich ohne gültige Vignette auf eine mautpflichtige Straße gefahren? Dann haben Sie 60 Minuten Zeit, die passende E-Vignette nachzukaufen und einen Zuschlag zu vermeiden. Verlassen Sie sich jedoch nicht bewusst auf diese Frist, sondern kaufen Sie die Vignette möglichst schon vor dem Auffahren auf die Autobahn.
Wie funktioniert die digitale Kontrolle?
Die ungarische E-Vignette wird über das Kennzeichen kontrolliert. Fest installierte Kameras und mobile Kontrollfahrzeuge erfassen vorbeifahrende Fahrzeuge und gleichen die Daten mit der Vignetten-Datenbank ab. Mautstationen oder Schranken gibt es im E-Vignetten-System deshalb nicht. Die Kontrolle berücksichtigt neben dem Kennzeichen auch das Zulassungsland, die Fahrzeugklasse und die zeitliche sowie regionale Gültigkeit. Eine Vignette für die falsche Kategorie oder das falsche Komitat (ungarischer Verwaltungsbezirk) kann daher ebenso problematisch sein wie eine vollständig fehlende Vignette.
Kann ich die Maut in Ungarn umgehen?
Kein Problem, wenn Sie etwas Zeit mitbringen und auf eine stressfreie Fahrt mit Café- oder Restaurantbesuchen in den Ortschaften setzen. Denn ungarische Land- und Regionalstraßen sind größtenteils mautfrei. Mit Hilfe eines Navigationsgeräts können Sie mautpflichtige Straßen meist vermeiden. Für eine längere Urlaubs- oder Transitfahrt lohnt es sich jedoch meist, eine passende Kurzzeitvignette zu kaufen.
Was sind Komitatsvignetten?
Eine Komitatsvignette ist eine regionale Jahresvignette. Sie berechtigt zur Nutzung des mautpflichtigen Straßennetzes in einem bestimmten Komitat (Verwaltungsbezirk) und gilt zusätzlich bis zur ersten Anschlussstelle hinter dessen Grenze. Ungarn ist in 19 Komitate sowie die eigenständig verwaltete Hauptstadt Budapest gegliedert. Die Komitatsvignette kann sich für Pendler oder Reisende lohnen, die regelmäßig in derselben Region unterwegs sind.
Hohe Zuschläge bei fehlender Vignette
Wer eine mautpflichtige Straße ohne passende E-Vignette nutzt und auch innerhalb der 60-Minuten-Frist keine Berechtigung kauft, muss mit einem Zuschlag rechnen. Im Jahr 2026 beträgt der Grundzuschlag 27.790 Ft (rund 76 €), wenn er innerhalb von 60 Tagen bezahlt wird. Danach steigt er auf 95.730 Ft (rund 263 €). Auch eine zu niedrige Fahrzeugkategorie kann teuer werden und zu hohen Bußgeldern führen. Für die Differenz zwischen gekaufter und tatsächlich erforderlicher Kategorie werden 2026 innerhalb von 60 Tagen 15.530 Ft (rund 43 €) und danach 49.190 Ft (rund 135 €) berechnet. Hinzu können bei ausländischen Kennzeichen Kosten für Halterermittlung und Inkasso kommen.
Kann ich eine E-Vignette ändern oder umschreiben lassen?
Prüfen Sie Kennzeichen, Zulassungsland, Fahrzeugkategorie und Gültigkeitszeitraum unbedingt vor dem Kauf. Fehler lassen sich nachträglich nicht einfach selbst online ändern. Bestimmte Angaben können jedoch gegen eine Verwaltungsgebühr über den Kundendienst korrigiert werden.
Auch eine noch gültige E-Vignette kann in bestimmten Fällen umgeschrieben werden, z. B. nach einem Kennzeichenwechsel, dem Verkauf des Fahrzeugs, einem Diebstahl oder einem Totalschaden. Die Übertragung auf ein anderes Fahrzeug ist grundsätzlich nur innerhalb derselben Gebührenkategorie möglich. Dafür müssen Sie die Kaufbestätigung sowie die entsprechenden Fahrzeug- und Nachweisdokumente vorlegen. Informieren Sie sich über die genauen Voraussetzungen auf der Website des offiziellen ungarischen Mautbetreibers.
Gibt es in Ungarn Sondermautstrecken?
Nach all den Kosten rund um die Vignette nun die guten Nachrichten mit Sparfaktor: Für Pkw, Motorräder und andere Fahrzeuge gibt es üblicherweise keine zusätzlichen Sondermautgebühren für einzelne Tunnel oder Brücken, wie sie beispielsweise in den Niederlanden anfallen können. Anders funktioniert die Abrechnung für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen im HU-GO-System: Hier richtet sich die Maut nach der tatsächlich gefahrenen Strecke sowie weiteren Fahrzeugmerkmalen. Das ist keine Sondermaut, sondern ein separates, kilometerabhängiges Mautsystem.
Sicher unterwegs in Ungarn
Gerade auf Urlaubsfahrten im Ausland ist ein guter Versicherungsschutz unverzichtbar. So übernimmt der Auslandsschadenschutz als Zusatz zu Ihrer Kfz-Versicherung die Schadensregulierung nach deutschem Recht, wenn Sie unverschuldet in einen Unfall im Ausland geraten. Denken Sie außerdem an die Grüne Karte als internationalen Nachweis Ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung.